Die Regel des hl. Augustinus
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aus Augustinus von Hippo. Regel für die Gemeinschaft.
Mit Einführung und Kommentar von Tarsicius Jan van Bavel O.S.A.
Ins Deutsche übertragen von Ludger Horstkötter OPraem.
Augustinus heute Bd. 6. Würzburg 1990, 125-138.

Die Augustinusregel gilt als die älteste Ordensregel des Abendlandes und ist Vorbild für viele andere bekannte Ordensregeln (z. B. Benediktsregel). Ihr Verfasser ist der lateinische Kirchenvater und Bischof Augustinus von Hippo (354 - 430). In dieser Regel sah der heilige Norbert von Xanten die Lebensweise der Apostel und das urkirchliche Ideal der geschwisterlichen Liebe, verbunden mit dem Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam, am besten verwirklicht.

Man sollte bei der Augustinusregel eher von einer Rahmenordnung als von einer Regel sprechen, da tatsächlich nur sehr wenige Fragen des klösterlichen Lebens genau geregelt werden.

Das bestimmende Ideal einer Ordensgemeinschaft ist für Augustinus das Miteinander-Leben auf Gott hin. An diesem Ideal orientieren sich alle Richtlinien und Aufgaben des klösterlichen Lebens.

Daraus ergeben sich folgende Schwerpunkte:

1. Das Miteinander im Kloster erfordert die Bereitschaft, Unterschiede zwischen den Mitbrüdern zu akzeptieren. Gemeinschaft ist keine Gleichmacherei: "Jedem soll das gegeben werden, was er braucht, aber nicht jedem in gleicher Weise, weil ihr nicht alle gleich seid."

2. Klosterleben ist keine Leistung, sie entspringt der Gnade. Deshalb darf sich niemand etwas auf seinen klösterlichen Stand einbilden, weder weil jemand einen sozialen Aufstieg erfährt noch weil jemand auf eine bessere Lebensqualität verzichtet.

3. Gemeinschaft verlangt, das Gemeinsame über das Eigene zu stellen und nicht zuerst auf den eigenen Vorteil bedacht zu sein. Daraus ergibt sich das Ideal der Gütergemeinschaft, das sich auf alle Lebensbereiche erstreckt (Nahrung, Einkommen, Kleidung, Bildung ...).

4. Leben in Gemeinschaft ist nicht möglich ohne die Haltung der Vergebung: "Im Hinblick auf euer Beten müsst ihr einander vergeben, gerade weil ihr oft betet." Für Augustinus ist die Vergebung ein wesentliches Kriterium des Zusammenlebens: "Wenn einer nicht bereit ist zu vergeben oder um Vergebung zu bitten, so ist er ohne Recht in der Gemeinschaft, auch wenn man ihn nicht ausstößt."

5. Großen Wert legt Augustinus auf die brüderliche Zurechtweisung. Sie ist für ihn ein Mittel für die innere Gesundheit einer Gemeinschaft. Wer auf diese Zurechtweisung verzichtet, gleicht einem Arzt, der einem Kranken die Heilung einer Wunde verweigert.

6. Die Aufgabe des Oberen wird charakterisiert durch die Haltung des Gehorsams im doppelten Sinn. Einerseits erfordert die Rolle des Oberen den Gehorsam der Mitbrüder, andererseits gehört es zur Pflicht des Oberen, seine Entscheidungen aus dem Hinhören auf Gott und die Mitbrüder zu treffen.

Augustinus versteht seine Regel als einen Spiegel, der den Mitbrüdern immer wieder die Gelegenheit gibt, ihr eigenes Leben zu überprüfen und an der Regel auszurichten.

 
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